Homepage der Elterninitiative Sachsenhausen e.V.
Pädagogische Konzeption der Arbeit im Spielhaus

Die folgende Konzeption finden Sie hier auch als pdf-Datei

1. Vorwort

Im Folgenden soll die Konzeption des Spielhauses der Elterninitiative Sachsenhausen e.V. vorgestellt werden, die als Grundlage der pädagogischen Arbeit dient.

Mit den Angeboten im Spielhaus verfolgt der Verein die Ziele, unter-schiedliche gesellschaftliche Kreise zusammenzuführen, soziales Engagement und Bewusstsein zu fördern, Ausgrenzungen entgegen-zuwirken, Randgruppen zu integrieren, Chancengleichheit herzu-stellen und Toleranz zu fördern. Dabei wird der freien Entwicklung einer eigenen Persönlichkeit der Kinder, der Berücksichtigung des Rechts auf Selbstbestimmung, der Entwicklung von Selbstwertge-fühl, dem Erlernen von Konfliktfähigkeit und Sozialverhalten sowie dem sorgsamen Umgang mit Mitmenschen ein hoher Stellenwert beigemessen.


Kinder sollten mehr spielen, als viele Kinder es heutzutage tun. Denn wenn man genügend spielt, solange man klein ist, dann trägt man Schätze mit sich herum, aus denen man später sein ganzes Leben lang schöpfen kann. Dann weiß man, was es heißt, in sich eine warme, geheime Welt zu haben, die einem Kraft gibt, wenn das Leben schwer wird. Was auch geschieht, was man auch erlebt, man hat diese Welt in seinem Innern, an die man sich halten kann.“

Astrid Lindgren 

Die Elterninitiative Sachsenhausen e.V. richtet ihr Angebot als eine Einrichtung der offenen Kinder- und Jugendarbeit an alle Kinder und Jugendlichen, „unabhängig ihres Geschlechts, ihrer nationalen, ethnischen, religiösen, kulturellen oder sozialen Herkunft.“1

Die Kinder besuchen das Spielhaus aus eigenem Antrieb. Diese Freiwilligkeit ist ein wichtiger Schritt in Richtung eines selbstbestimmten Lebens.



2. Sozialraumanalyse


Unsere Einrichtung liegt im Stadtteil Sachsenhausen-Nord in der Brückenstraße. Dieser Teilabschnitt der Straße, in der sich das Spiel-haus befindet, ist für den Verkehr gesperrt und öffnet sich zu einem parkähnlichen Spielplatz.

Sachsenhausen ist der flächenmäßig größte und nach Einwohner-zahlen der zweitgrößte Stadtteil Frankfurts.

Laut einer Erhebung der Stadt Frankfurt von 2013 leben im Stadt-bezirk Sachsenhausen-Nord insgesamt 30.313 Menschen, davon 14,4% Kinder und Jugendliche2. Laut der letzten Erhebung unserer Einrichtung stammen 95% der Kinder, welche die E.I.S. besuchen, aus Sachsenhausen, 3% aus der Altstadt/Innenstadt und 2% nicht aus Frankfurt.

Die Kinder, die unsere Einrichtung besuchen, haben sehr unterschiedliche Migrationshintergründe.

Neben der Elterninitiative Sachsenhausen als offene Kindereinrichtung gibt es noch das (ebenfalls offene) Kinderhaus Sachsenhausen für Kinder von 8 bis 14 Jahren und das Jugendbüro, sowie die Subzone in nächster Nähe für Kinder/Jugendliche ab 14 Jahren.

In Sachsenhausen (Nord und Süd) gibt es fünf Grundschulen, drei Gymnasien, zwei Realschulen und eine Hauptschule.

Sachsenhausen ist ein Stadtteil, der den Kindern alle Möglichkeiten der freien Gestaltung lässt. Sie können sich frei bewegen, da Schulen, Vereine, freizeitpädagogische und öffentliche Einrichtungen (z.B. Stadtteilbücherei, Museen, Waldspielparks) für die Kinder zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar sind. Auch gibt es im Stadtteil eine von der Stadt Frankfurt bestellte Kinderbeauftragte, die immer ein offenes Ohr für die Belange der Kinder hat.





3. Philosophie und Geschichte des Spielhauses – Vorstellung des Vereins

Unser Spielhaus wurde 1990 von der Elterninitiative Sachsenhausen e.V. (E.I.S.) bezogen. Damit hat der Verein nach 17 aufregenden und mühevollen Jahren mit zuvor wechselnden Standorten auf dem Brückenspielplatz ein „Zuhause“ gefunden.

Zielsetzung des Vereins ist es, Kinder auf dem Weg zu Mündigkeit und Verantwortung für sich selbst und andere zu begleiten. Mit der Arbeit im Spielhaus hilft er, dem hohen Bedarf an Betreuungsmöglichkeiten für Kinder in Sachsenhausen nachzukommen. Nach wie vor gibt es für Frankfurts Kinder zu wenig Orte, die es ihnen ermöglichen, abseits von Kommerz, Markenwahn und medialer Dauerbeschallung einfach nur Kind zu sein, im Grünen oder betreut zu spielen und andere Kindern zu treffen. Mit dem festen Standort auf der Brückenstraße kann die Betreuung regelmäßig und verlässlich angeboten werden.Die Elterninitiative Sachsenhausen e.V. bietet den Kindern ein günstiges Mittagessen, Hausaufgabenbetreuung und Angebote am Nachmittag für Kinder aus dem Stadtteil an.

Diese Angebote sind das Ergebnis von mehr als 40 Jahren Arbeit des Vereins, in denen sie ständig überarbeitet und ausgebaut wurden. Dabei ist die Partizipation am gesellschaftlichen Leben, die sich der Verein erkämpft hat, früher wie heute eines der zentralen Ziele seiner Arbeit.

Der Leitgedanke der Partizipation wird auch an die Kinder vermittelt, indem wir ihnen auch die Möglichkeit der Mitbestimmung geben. Dadurch erfahren die Kinder ein hohes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

Die Kinder werden, so wie sie kommen, mit ihrer eigenen Persönlichkeit wertgeschätzt und ausgehend von ihren bestehenden Fähigkeiten gefördert. Daraus entwickelt sich eine positive Grundeinstellung und Freude am Leben. Hier setzt auch das offene Angebot der Einrichtung an, denn die Kinder besuchen das Spielhaus aus eigenem Antrieb. Die Freiwilligkeit ihres Kommens ist der erste Schritt zur Selbstbestimmung.


Was uns alle in der Vergangenheit und der Gegenwart verbindet, ist der Wunsch, einen Beitrag zu leisten für eine Welt ohne Rassismus und Diskriminierung, in der Kinder und Eltern Orte zum Treffen, Spielen und Reden bekommen.




4. Vorstellung des Spielhauses

Das Spielhaus der E.I.S. liegt im Stadtteil Sachsenhausen auf dem zentral gelegenen Brückenspielplatz, inmitten einer Parkanlage. Zum Park gehören ein großer Spielplatz, ein Bolzplatz sowie eine Liege- und Spielwiese. Der Teil der Straße, der durch den Park verläuft, ist für den Verkehr gesperrt und zu einer Spielstraße umgebaut. Der Brückenspielplatz ist ein wichtiger Treffpunkt für Familien des Stadtteils.

Unser Haus verfügt über einen „Multifunktionsraum“, in dem das Mittagessen, die Hausaufgabenbetreuung und verschiedene freizeitpädagogische Angebote stattfinden. Er steht den Kindern für weitere freie Beschäftigungen zur Verfügung. Ein zweiter Raum, der „Toberaum“, wird für Computerangebote, Bewegungsspiele oder einfach nur zum Rückzug genutzt. Zum Haus gehören auch ein Büro und Sanitäreinrichtungen.


4.1 Rahmenbedingungen

Das Spielhaus ist während der Schulzeit von Montag bis Freitag jeweils von 12.30 Uhr bis 17.30 Uhr geöffnet. In der Zeit zwischen 12.30 und 15 Uhr wird eine Gruppe von fest angemeldeten Kindern für die Zeit des Mittagessens und der Hausaufgaben betreut. Ab 15 Uhr ist das Spielhaus dann für alle Kinder von 6 bis 12 Jahren geöffnet.

In den Oster-, Herbst- sowie den Sommerferien finden zwei- bzw. dreiwöchige Ferienspiele statt. In diesen Zeiten steht das Angebot den Kindern von 10.00 Uhr bis 16.00 Uhr zur Verfügung. Die Ferienspiele sind kostenlos und eine Anmeldung ist nicht notwendig.

Im Spielhaus arbeiten zwei hauptamtliche, pädagogische Fachkräfte mit jeweils 30 Stunden pro Woche. Die Arbeit im Team erfolgt gleichberechtigt nebeneinander, die pädagogische Leitung obliegt dem Verein, vertreten durch den Vorstand. Zudem werden die festen Kräfte – besonders während der Ferienspielen – von Ehrenamtlichen und Honorarkräften, meist Studierende der Pädagogik, unterstützt.

Es besteht zudem die Möglichkeit, interessierten Studierenden ein Praktikum im Rahmen ihrer Ausbildung zu ermöglichen.



4.2 Pädagogische Gestaltung

In der Zeit von 12.30 Uhr bis 15 Uhr findet das Mittagessen und die Hausaufgabenbetreuung für eine Gruppe von fest angemeldeten Kindern statt, von 15 Uhr bis 17.30 Uhr ist das Spielhaus im offenen Bereich für alle Kinder von 6 bis 12 Jahren geöffnet. In dieser Zeit finden die Angebote statt. Diese werden von den pädagogischen Fachkräften geplant und als Monatsprogramm durch einen Aushang am Spielhaus sowie online auf der Homepage publik gemacht.

Die aktuelle Wochenplanung zeigt die Vielfältigkeit der angestrebten pädagogischen Ziele: Zur Zeit gibt es montags ein offenes Angebot mit Spiel und Spaß. Außerdem wird der Toberaum im wöchentlichen Wechsel zur „Girls-Zone“, bzw. „Boys-Zone“. Während dieser Zeit können Mädchen bzw. Jungen im Toberaum ganz unter sich sein.

Dienstags öffnet die „Kreativwerkstatt“: Es wird mit unterschiedlichen Materialien gewerkelt, gebastelt oder gemalt. Ihre Kunstwerke können die Kinder am Ende natürlich mit nach Hause nehmen.

Mittwochs probieren sich die „kleinen Küchenprofis“ an Kuchen, Leckereien aus Obst, Marmeladen oder Keksen. Anschließend wird das Kreierte gemeinsam gegessen.

Donnerstags heißt es in der E.I.S. „Move it“. Es gibt unterschiedliche sportliche oder motorische Angebote wie zum Beispiel Kinderyoga, ein Tischkicker-Turnier oder Bewegungsspiele im Freien.

Freitags werden Ausflüge unternommen. Mal geht es ins Schwimm-bad, mal in eines der vielen Frankfurter Museen, zu einem Waldspielpark oder Skatepark, ins Kino oder zum Frankfurter Grüngürtel.

Generell lässt sich das Programm nur als Rahmen und Angebot verstehen, deren Durchführung stets von den Interessen der Kinder abhängt. So besteht jeden Tag für die Kinder die Möglichkeit, sich frei gemäß ihrer Bedürfnisse und Interessen zu beschäftigen.

Alle Angebote beinhalten den Ansatz der Ko-Konstruktion. Nach diesem gestaltet sich Bildung „[…] als sozialer Prozess, an dem sich Kinder und Erwachsene aktiv beteiligen. Nur in gemeinsamer Interaktion, im sozialen Dialog und im ko-konstruktiven Prozess findet Bildung, nicht zuletzt als Sinnkonstruktion, statt.“3

5. Kooperation

Die Kooperation und Vernetzung mit anderen Einrichtungen und Stellen ist für die offene Kinder- und Jugendarbeit von hoher Bedeutung.

Mit den beiden Grundschulen in Sachsenhausen Nord besteht ein enger Kontakt und die Mitarbeiter/-innen nehmen regelmäßig an Kooperationstreffen mit den Schulen teil. Regelmäßig nehmen die Mitarbeiter/-innen auf Wunsch der Eltern auch an Entwicklungsgesprächen mit den Lehrer/-innen, sowie an Elternabenden teil.

Seit mehreren Jahren besteht im Stadtteil Sachsenhausen eine enge Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen. So findet jedes Jahr im Sommer ein Sachsenhäuser Fußballturnier statt, an dem verschiedene Kindereinrichtungen des Stadtteils teilnehmen und gegeneinander um den Wanderpokal spielen. Ebenfalls im Sommer findet auf dem Brückenspielplatz ein großer Flohmarkt statt, bei dem die Kinder ihre gebrauchten Spielsachen oder abgelegte Kleidung verkaufen können. Die Einrichtungen sind mit einem Verkaufsstand für Kuchen und Getränke vertreten.

10 Jahre lang fand im Sommer das große Stadtteilfest statt. Organisiert von verschiedenen Einrichtungen bat es darüber hinaus anderen Einrichtungen im Stadtteil (wie z.B. der Bücherei, Museen, Sportvereinen, Tanzgruppen etc.) die Möglichkeit, dort sich und ihre Arbeit zu präsentieren. Das Stadtteilfest umfasst verschiedene Angebote wie einen Spielparcours, Bastelangebote, sportliche Aktivitäten, einen Schminkstand, ein Hüpfkissen und vieles mehr. Das Fest soll ein Ort des Zusammentreffens sein, um eine Vernetzung im Stadtteil und weitere Zusammenarbeit zu fördern.


Im Winter findet stets ein Winterbasar statt, bei dem die Kinder Winter- und Weihnachtsbasteleien verkaufen, die sie selbst hergestellt haben. Das Geld aus dem Verkauf geht an die einzelnen Einrichtungen. Der Verwendungszweck wird jedes Jahr mit den Kindern gemeinsam festgelegt.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Spielhauses nehmen regelmäßig an verschiedenen Arbeitskreisen teil. Im Kinder-Arbeitskreis treffen sich die Mitarbeiter/-innen der offenen Kinderhäuser aus allen Stadtteilen Frankfurts und tauschen sich über aktuelle Themen ihrer Arbeit aus. Im Stadtteil-Arbeitskreis in Sachsenhausen sind verschiedene soziale Einrichtungen des Stadtteils vertreten. Außerdem engagiert sich die E.I.S. in der UnIg, einer Arbeitsgemeinschaft von unabhängigen Trägern und Initiativgruppen, die in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in Frankfurt am Main tätig sind.

Bei Verdacht auf Gefährdung des Kindeswohls kooperieren wir in einem Netzwerk mit Eltern und/ oder den zuständigen Fachdiensten. Auch stehen wir in Kontakt mit der Kinder-, Jugend- und Elternberatungsstelle in Frankfurt Sachsenhausen.

6. Öffentlichkeitsarbeit

Das Programm des Spielhauses wird zu Monatsbeginn als Aushang im Park aufgehängt, als Flyer für die Kinder und Eltern ausgelegt, auf der Homepage des Spielhauses veröffentlicht sowie als Plakat in den umliegenden Schulen verteilt. Zudem wird auf einer Tafel am Spielhaus das jeweilige Tagesprogramm ausgehängt. Das Programm für die Ferienspiele wird darüber hinaus in verschiedenen lokalen Zeitungen veröffentlicht. Diese berichten während der Ferien auch von der Arbeit auf dem Spielplatz und im Spielhaus und dem Verlauf der jeweiligen Ferienspiele. Gelegentlich, vor allem bei anstehenden Änderungen oder besonderen Veranstaltungen, werden auch außerhalb der Ferien über die lokale Presse Artikel der Arbeit des Vereins publiziert.

Öffentlichkeitsarbeit findet auch über die Webseite der Elterninitiative Sachsenhausen statt. Hier werden Informationen über den Verein, die Konzeption der pädagogischen und stadtteilpolitischen Arbeit, Berichte außerordentlicher Veranstaltungen sowie aktuelle Angebote sowie der Veranstaltungsplan veröffentlicht.

Als Teil der Stadtteilarbeit und um einen Austausch der Eltern des Stadtteils zu unterstützen, veranstalten wir einmal im Monat einen Elterntreff, zu dem alle Interessierten eingeladen sind. Aus dem Interesse von Eltern aus dem Stadtteil heraus, veranstaltet der Verein alle 3 Monate eine Tauschbörse.

7. Zielvereinbarungen

Mit den Angeboten im Spielhaus verfolgt der Verein folgende Ziele: Gesellschaftlich unterschiedliche Kreise zusammenzuführen, soziales Engagement und Bewusstsein zu fördern, Ausgrenzungen bewusst zu machen und entgegenzuwirken, Randgruppen zu integrieren, Chancengleichheit herzustellen und Toleranz zu fördern. Ein hoher Wert wird der freien Entwicklung der Kinder zur eigenen Persönlichkeit und Berücksichtigung des Rechts auf Selbstbestimmung, Selbstfindung und der Entwicklung von Selbstwertgefühlen, dem Erlernen von Konfliktfähigkeit und Sozialverhalten, dem sorgsamen Umgang mit Mitmenschen aller Kulturen und der Natur beigemessen. Ein freies Angebot für Kinder soll ihnen ermöglichen, situativ nach persönlichen Kriterien an Dargebotenem teilzunehmen, um so vom kurzfristigen Planen her zu lernen, auch längerfristige Entscheidungen zu treffen. Dabei ist es für ein Kind notwendig, sich mit anderen zu arrangieren, d.h. zu kommunizieren und Probleme zu lösen. Die Teilnahme am Spiel- und Bastelprogramm wird damit zu einem Lernschritt der Sozialisation.

Das Spielhaus bietet Kindern ein niedrigschwelliges Angebot, das sie nach ihren Bedürfnissen in Anspruch nehmen können und sie bei der Loslösung vom familiären Binnenraum unterstützen soll.

Ziel des Nebeneinander von offenem Bereich und festen Angebots-strukturen in den Kategorien Spiel, Bewegung und kreative Gestaltung ist es, den Kindern breit gefächerte Freizeitmöglichkeiten zu bieten, die möglichst viele Interessen und Bedürfnisse der Kinder berücksichtigen.

Den Kindern soll damit ermöglicht werden, in den Freiräumen zu experimentieren und sie selbstbestimmt auszugestalten, Interessen sowie Fähigkeiten zu entwickeln, den Kontakt zu Gleichaltrigen zu pflegen, den Austausch mit den Mitarbeitern/-innen zu suchen und Erfolge zu erleben. Ziel ist dabei die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder zu fördern und deren emotionale, soziale, kreative und kognitiven Fähigkeiten weiter zu entwickeln.



7.1 Partizipation

Entsprechend der Philosophie des Spielhauses haben die Kinder bei uns das Recht, an allen sie betreffenden Entscheidungen entwicklungsgemäß beteiligt zu werden.


Kinderbeteiligung ist von zentraler Bedeutung für den Bestand von Demokratie… (Sie) bedeutet Mit- und Selbstbestimmung. Dem einzelnen Kind wird die Möglichkeit zur Gestaltung der eigenen Aktivitäten eingeräumt, soweit sich dies mit seinem und dem Wohl der anderen vereinbaren lässt.“4


In Aushängen im Spielhaus können die Kinder Vorschläge zum Essen, zu Kreativangeboten und zu Ausflügen machen, sowie Themen für die Kinderkonferenz vorschlagen. In dieser regelmäßig stattfindenden Kinderkonferenz werden die Wünsche und Vorschläge gemeinsam besprochen und das Monatsprogramm so zum Großteil mit den Kindern gemeinsam geplant.

Auch wurden mit den Kindern gemeinsame Regeln erarbeitet, an die sich alle zu halten haben. Diese Regeln wurden von Allen unterschrieben und dienen als Grundlage des Zusammenseins im Spielhaus. So lernen Kinder ihre Meinungen und Wünsche zu formulieren, vor anderen zu vertreten und durch demokratische Verfahren im Diskurs zu Lösungen und Kompromissen zu gelangen.



7.2 Gendersensible Kinder- und Jugendarbeit, Mädchen- und Jungenarbeit

Gendersensible Kinder- und Jugendarbeit will einen Beitrag zur Verwirklichung einer geschlechtergerechten Gesellschaft leisten. Eine genderorientierte Pädagogik geht von der Uneindeutigkeit und Unbestimmbarkeit von Geschlecht aus und wendet sich damit gegen einseitige, binäre, heteronormative Zuschreibungen. Sie vertritt damit eine prinzipielle Offenheit gegenüber eigenwilligen Definitionen von Mädchen und Jungen hinsichtlich ihrer Geschlechtlichkeiten und ihrer Identitäten und ermutigt sie dazu ausdrücklich. Auch wenn von Jungen und Mädchen die Rede ist, geht gendersensible Pädagogik von einer Vielfalt der Geschlechter aus. Dazu zählen auch Inter- sowie Transsexualität.

Kinder und Jugendliche sollen dazu angeregt werden, gängige Geschlechterklischees kritisch zu hinterfragen und einen eigenen Lebensentwurf sowie eine selbstbestimmte sexuelle Identität zu entwickeln. Es werden gendersensible Angebote im geschlechtshomogenen sowie im koedukativen Rahmen durchgeführt. 5

So gibt es mit einem monatlich stattfinden Mädchen- und Jungentag ein regelmäßiges geschlechtshomogenenes Angebot. Der Mädchen- tag wird von einer weiblichen Fachkraft, der Jungentag von einer männlichen pädagogischen Fachkraft aus dem Verein begleitet. Die Mädchen und Jungen können sich jeweils in einer geschlechtshomogenen Gruppe neu ausprobieren. Durch die Auseinandersetzung der Kinder mit dem jeweiligen gleichgeschlechtlichen Gegenüber kommt es zur Erforschung unterschiedlicher Geschlechterrollen und -erwartungen. Themen von Weiblichkeit bzw. Männlichkeit, Rollenbilder aber auch Fragen oder Ängste können im geschützten Raum der geschlechtshomogenen Gruppe besprochen werden. Eindimensionale Rollenzuschreibungen sollen aufgebrochen werden und stattdessen ein Facettenreichtum von Weiblichkeit bzw. Männlichkeit vermittelt werden.6

Um eine gelungene Umsetzung der genderbezogenen Konzeption zu gewährleisten, bilden sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stets weiter. Dazu gehört unter anderem das Erlangen von genderbezogenem Fachwissen sowie gendersensiblen Selbstkompetenzen, wie z.B. im Rahmen einer mehrtägigen Fortbildung des Jugendamts der Stadt Frankfurt. 7

Gender Mainstreaming, also die Gleichstellung von Mädchen und Jungen, stellt eines der durchgängigen Leitprinzipien der offenen Kinder- und Jugendarbeit dar. Dies ist jedoch nicht als Gegensatz dazu zu verstehen, die unterschiedlichen Interessen, Wünsche und Themen von Mädchen und Jungen in einem geschlechtshomogenen Rahmen aufzugreifen.




7.3 Interkulturelles Lernen

Das Spielhaus wird von Kindern mit unterschiedlichsten Migrationshintergründen besucht. Die Kinder haben eine große Neugier und großes Interesse an den Herkunftsländern der anderen Kinder. Die Betreuer/-innen unterstützen die Kinder in diesem Interesse zum Beispiel durch gemeinsame Recherchen im Internet. Auf Wunsch der Kinder werden gelegentlich von Eltern ländertypische Gerichte für alle gekocht.

So geschieht interkulturelles Lernen aus der natürlichen Neugier der Kinder heraus.



7.4 Soziales Lernen

Besonderes Augenmerk der Arbeit liegt in der Anregung der Kinder, Kontakte mit anderen Kindern zu schließen und sich mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Interessen auseinanderzusetzen. Hierzu zählt, die Kinder zu gemeinsamen Aktivitäten (auch ohne Betreuer) zu motivieren und verschiedene Altersgruppen zueinander zu bringen. Die Kinder sollen für gegenseitige Rücksichtnahme sensibilisiert werden.

Die Kinder sollen verstärkt lernen, für sich und andere Verantwortung zu übernehmen. Dies zeigt sich im Spielhausalltag beispielsweise durch die Unterstützung jüngerer Kinder oder das eigenständige Aufräumen nach dem Spiel.

Besonders viel Wert soll auf die Entwicklung von Konfliktlösungsfähigkeiten gelegt werden. Die Kinder lernen, auch eigenständig und ohne die Hilfe der Betreuer/-innen, anstelle von Beschimpfungen eine gemeinsame für alle Konfliktparteien zufriedenstellende Lösung zu entwickeln. Hierzu dienen u.a. als Vorbild die Mechanismen, welche die Kinder zuvor in den Kinderkonferenzen kennenlernen und einüben. Wichtig ist auch, dass den Kindern im Spielhaus ein Umgang vorgelebt wird, der auf Toleranz, Respekt und Achtung basiert.



7.5 Professionalisierung

Die E.I.S. beschäftigt zwei hauptamtliche pädagogische Fachkräfte mit insgesamt 1,5 Stellen, die zur Zeit mit zwei Diplom-Pädagoginnen besetzt sind. Die pädagogischen Mitarbeiter/-innen der E.I.S. nehmen regelmäßig an Fortbildungen teil. Dazu sind jährlich 5 Fortbildungstage für jede pädagogische Fachkraft vorgesehen. Die immer neuen Inhalte der Fortbildungen vor allem aus dem Themenbereich der offenen Kinder- und Jugendarbeit bereichern die tägliche pädagogische Arbeit im Spielhaus. Dabei legt der Verein großen Wert auf die kontinuierliche Weiterbildung der Mitarbeiter/-innen und fördert diese. So haben die jetzigen Mitarbeiterinnen eine Ausbildung in Lerntherapie bzw. in systemischer Beratung (in Ausbildung).

An der Fortbildung des Jugendamts der Stadt Frankfurt zu einer genderbezogenen Pädagogik haben die Mitarbeiterinnen des Spielhauses als Gesamtteam teilgenommen, um die theoretische Formulierung und die praktische Umsetzung einer genderbezogenen Konzeption zu ermöglichen. Hierzu wurde ein Projekt erarbeitet, welches das in der Fortbildung erlangte Fachwissen sowie die gendersensiblen Handlungskompetenzen in die Praxis umsetzen soll.




8. Ausblick/Perspektive

Als älteste Bürgerinitiative Frankfurts setzt sich die Elterninitiative Sachsenhausen e.V. seit über 40 Jahren für die Kinder und Familien im Stadtteil Sachsenhausen ein. Das Spielhaus der E.I.S mit seinem Sitz auf dem Brückenspielplatz ist für Kinder und Jugendliche aus dem gesamten Stadtteil zu einem festen Bezugspunk geworden. Die Bandbreite der Kinder und Jugendlichen, die die Einrichtung besuchen, reicht von den festen Stammkindern über die Ferienspiel-Kinder bis hin zu den ehemaligen E.I.S.-Kindern, die immer noch gerne im Spielhaus vorbei schauen. Auch ist das Spielhaus täglich Anlaufstelle für zahlreiche Kinder und Erwachsene, die das Angebot der Ausleihe von Spielzeug gerne nutzen. Neben der Arbeit mit den Kindern ist auch Elternarbeit für die E.I.S. ein wichtiger Bestandteil. Durch regelmäßige Elterntreffs, Elternabende zu ausgewählten Themen oder angebotenen Fortbildungen für Eltern, versteht sich die E.I.S. als Bildungs- und Erziehungspartner, welcher die Kinder in ihrer Entwicklung bestmöglich unterstützen möchte. Ebenso stehen die Mitarbeiter/-innen der E.I.S. für Beratungs- und Entwicklungsgespräche zur Verfügung und werden zu Gesprächen der Eltern mit Lehrer/-innen gerne hinzugezogen.

Im Team des Vereins und seiner Mitglieder, den pädagogischen Mitarbeiter/-innen, den Kindern und den Eltern wird die Elterninitiative Sachsenhausen e.V. mit finanzieller und konzeptioneller Unterstützung der Stadt Frankfurt auch weiterhin für das Wohl und die Entwicklung der Kinder im Stadtteil einstehen und sich aktiv gesellschaftlichen Veränderungen und neuen Herausforderungen stellen. Es ist daher eine wichtige Aufgabe, die eigene Arbeit stets kritisch zu bewerten und gegebenenfalls zu verbessern, sowie aufmerksam gesellschaftliche Veränderungen zu verfolgen und Lösungskonzepte zu entwickeln.


9. Quellenangaben


AG Gender (2013): Orientierungsrahmen für eine genderbezogene Kinder- und Jugendarbeit in Frankfurt am Main. Beschluss vom Jugendhilfeausschuss am 28.10.2013. Frankfurt am Main


Hessisches Sozialministerium / Hessisches Kultusministerium (2007): Bildung von Anfang an. Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder von 0 bis 10 Jahren in Hessen. Wiesbaden


Jugend- und Sozialamt der Stadt Frankfurt am Main (2001): Qualitätskriterien für die offene Kinder- und Jugendarbeit in Frankfurt am Main. Frankfurt am Main


Jugend- und Sozialamt der Stadt Frankfurt am Main (2006): Frankfurter Leitlinien zur Förderung der Jungenarbeit in der offenen Kinder- und Jugendarbeit. Frankfurt am Main


Jugend- und Sozialamt der Stadt Frankfurt am Main (1996): Frankfurter Leitlinien zur Förderung der Mädchenarbeit in der offenen Kinder- und Jugendarbeit. Frankfurt am Main


www.statistik.stadt-frankfurt.de [letzter Aufruf 8.1.2016]


1Jugend- und Sozialamt der Stadt Frankfurt am Main (2001): Qualitätskriterien für die offene Kinder- und Jugendarbeit in Frankfurt am Main. Frankfurt am Main

2Quelle: www.statistik.stadt-frankfurt.de

3 Hessisches Sozialministerium / Hessisches Kultusministerium (2007): Bildung von Anfang an. Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder von 0 bis 10 Jahren in Hessen. Wiesbaden

4Hessisches Sozialministerium / Hessisches Kultusministerium (2007): Bildung von Anfang an. Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder von 0 bis 10 Jahren in Hessen. Wiesbaden

5 AG Gender (2013): Orientierungsrahmen für eine genderbezogene Kinder- und Jugendarbeit in Frankfurt am Main. Beschluss vom Jugendhilfeausschuss am 28.10.2013. Frankfurt am Main

6 Jugend- und Sozialamt der Stadt Frankfurt am Main (2006): Frankfurter Leitlinien zur Förderung der Jungenarbeit in der offenen Kinder- und Jugendarbeit. Frankfurt am Main

7 AG Gender (2013): Orientierungsrahmen für eine genderbezogene Kinder- und Jugendarbeit in Frankfurt am Main. Beschluss vom Jugendhilfeausschuss am 28.10.2013. Frankfurt am